Mehrfach haben mich Marken aus dem Bereich Sportwetten angesprochen, damit wir für sie werben oder ihnen „Signale“ anbieten. Wer mich kennt, weiß, dass meine Antwort lautete: „Wir sind nicht interessiert. Mit freundlichen Grüßen“.
Für mich ist es undenkbar, Glücksspiel mit Trading zu vergleichen. Denn auch wenn manche Pokerspieler sehr regelmäßig am Final Table großer Turniere sitzen und andere im Netz gut davon leben, bleibt der Zufall eine Konstante.
Trading ist kein Spiel – für mich ist das klar. Trotzdem fällt es manchen noch schwer, den Unterschied zu erkennen, und sie greifen schon nach wenigen Trades zum maximalen Hebel. Diese Verwechslung von kontrollierter Spekulation und blindem Zocken ist eine der Hauptursachen für das Scheitern von Anfängern.
Wenn die Grenze zwischen Glücksspiel und Trading für dich noch verschwimmt, ist dieser Mindset-Artikel genau richtig für dich! Du erfährst, warum ein echter Trader wie ein Casino denkt – und bekommst 10 konkrete Schlüssel, um endgültig auf die Seite der Gewinner zu wechseln.
Warum Trading kein Glücksspiel ist
Viele halten sich bereits für „Trader“, obwohl sie in Wirklichkeit nur Zocker sind … die beim Roulette vermutlich bessere Gewinnchancen hätten als an den Finanzmärkten.
Dabei lässt sich die Analogie zwischen Trader und Zocker perfekt ziehen: Es ist derselbe Unterschied wie zwischen einem Casino und einem Spieler. Der Trader muss sich nämlich wie das Casino positionieren, denn die Chancen, Gewinne zu erzielen, müssen deutlich höher sein als die Chancen zu verlieren! Genau das ist das Prinzip eines positiven Erwartungswerts und eines konsequenten Risikomanagements.
Das Casino-Paradigma für Trader wurde in „Trade like a Casino“ von Richard Weissman vorgestellt, und dieser Denkansatz kann Tradern wirklich dabei helfen, rentabel zu werden. Wirf also ruhig einen Blick hinein – es kann dich auf deinem Weg sicher ein gutes Stück weiterbringen.
Der „Edge“: dein statistischer Vorteil an den Märkten
Der Zusammenhang zwischen dem Luxus eines Casinos und der Mehrheit seiner abgebrannten Spielsüchtigen liegt auf der Hand …
Casinos verfügen bei ihren Glücksspielen über einen statistischen Edge gegenüber den Spielern. Versuch übrigens nur einmal, beim Roulette stur binär auf die Farbe zu setzen – du wirst dort sehr schnell nicht mehr willkommen sein: Das sieht man gar nicht gern!
Die Zeit ist der Freund des Casinos und der Feind des Spielers. Je länger jemand versucht, das Casino zu schlagen, desto wahrscheinlicher verliert er – so einfach ist das.
Außerdem setzt ein Casino an jedem Tisch Limits, damit ein Spieler nicht endlos seine Einsätze verdoppeln kann, um am Ende doch zu gewinnen. Hier haben wir eine perfekte Analogie zu unserem berühmten „Risikomanagement“.
Das Casino riskiert sein Geschäft und seine Rentabilität nicht mit einer einzigen Transaktion; es hat Tischlimits, die sicherstellen, dass kein einzelner Gewinn in seiner Gewinn-und-Verlust-Rechnung ins Gewicht fällt.
Das Casino lässt seinen Vorteil über eine große Zahl von Transaktionen wirken, damit die Wahrscheinlichkeiten über eine große Stichprobe zu seinen Gunsten ausfallen. Genau dasselbe Prinzip muss ein rentabler Trader anwenden: eine getestete Strategie, ausgespielt über Dutzende oder gar Hunderte von Trades.
Ein weiterer riesiger Vorteil des Casinos: Es hat keine Emotionen. Dem Casino ist ein einzelner Spieler egal – und auch, ob dieser Spieler gewinnt oder verliert. Der Spieler dagegen ist hochemotional!
Deshalb versucht er manchmal, (alle) seine Verluste zurückzuholen, obwohl es bereits sehr schlecht aussieht. Er handelt also mit den Wahrscheinlichkeiten gegen sich und tradet meist immer größer – in der Hoffnung, dass ihn ein Gewinn zurück auf null bringt, während er dadurch nur in immer größere Verluste rutscht. Wenn du tiefer in dieses Thema einsteigen möchtest, wirf einen Blick in unseren Guide zur Trading-Psychologie.
Ein weiteres Übel des Zockers: Selbst nach Gewinnserien nimmt er seine Gewinne nicht mit und geht nicht mit seinem Geld nach Hause. Er bleibt sitzen und verliert alles – entweder weil er arrogant wird und zu groß handelt, oder weil er die Disziplin seiner Strategie verliert, die eine ganze Weile funktioniert hat. Zocker sind in der Regel dazu verdammt, Verlierer zu sein.
Die 10 konkreten Schlüssel, um ein echter Trader zu werden
- Handle nach den Wahrscheinlichkeiten und nicht nach den potenziellen Gewinnen.
- Wähle kleine Positionsgrößen im Verhältnis zu deinem Konto und setze NIEMALS dein gesamtes Kapital dem Risiko des Ruins aus (siehe Risikomanagement).
- Trade deinen Plan und nicht deine Emotionen.
- Steige immer nur mit einem klar definierten Vorteil in einen Trade ein, gestützt auf die Konfluenz seriöser Indikatoren (RSI, MACD, VWAP, Bollinger …).
- Bauchgefühl ist nichts Schlechtes, aber es muss überprüft werden! Unsere persönlichen Überzeugungen sind den Märkten egal … und sie spielen damit!
- Trade deine Strategien dann und nur dann mit echtem Geld, wenn du ihre Wirksamkeit per Paper Trading oder einem soliden Backtesting überprüfen konntest.
- Dein Risikomanagement ist DIE Priorität Nummer eins. Gewinne sind ein zweitrangiges Anliegen.
- Vermeide zuallererst jedes Risiko des Ruins: Trading ist ein Ausdauersport! Der Versuch, schnell reich zu werden, ist schlicht und einfach schädlich.
- Handle mit Disziplin und Konzentration. Ändere deine Art zu traden nicht plötzlich wegen Gewinn- oder Verlustserien: Re-Backtest / Re-Paper Trading.
- Trade den gegenwärtigen Moment! Vergangene Verluste oder selbst vergangene Gewinne spielen keine Rolle mehr.


