Update 2026. Dieser Artikel wurde im September 2020 veröffentlicht, mitten im „DeFi Summer", und spiegelt den Zustand des Marktes zu diesem genauen Zeitpunkt wider. Fünf Jahre später hat sich das Bild radikal verändert: Andre Cronje verließ die DeFi-Szene im März 2022 (Rückzug von Yearn, Fantom und rund zwanzig weiteren Projekten, vor dem Hintergrund von SEC-Ermittlungen), bevor er 2024 mit Sonic Labs (dem Rebranding von Fantom) zurückkehrte. Der Token YFI, der 2020 bis auf rund 40.000 $ gestiegen war, ist inzwischen wieder auf etwa 2.000 bis 2.400 $ gefallen. Produktseitig ist der frühere Dienst „Earn" heute veraltet, und die yVaults sind auf v3 (Standard ERC-4626) umgestiegen, während sich die Governance zu einem überarbeiteten Staking-Modell entwickelt hat. Auch der damals erwähnte Konkurrent Set Protocol V2 wurde inzwischen eingestellt (2023). Wir behalten den Originaltext wegen seines dokumentarischen Werts bei: Er erzählt von einem der ersten Fair Launches in der Geschichte der DeFi und von der Entstehung des Yield Farming — beides bis heute nützliche Referenzpunkte.
Nach unserer Einführung ins Yield Farming mit einer Kritik des Yield Farming und 5 Anwendungen der Protokolle präsentieren wir euch nun unser komplettes Dossier zu Yearn Finance (YFI), einem der Vorzeigeprojekte der dezentralen Finanzwelt.
In weniger als 3 Monaten (im Sommer 2020) wurde Yearn Finance vom kleinen Aggregator zu einem der wichtigsten Katalysatoren der DeFi, mit einer Marktkapitalisierung, die damals um die Milliarden-Dollar-Marke pendelte. Dieser rasante Aufstieg erklärte sich vor allem durch den nativen Token YFI, der dank einer Technologie, die für die großangelegte Nutzung von Yield Farming optimiert war, mitten im Trend positioniert war.
Angesichts dieser Explosion des Tokens war es sinnvoll, sich mit den Risiken, den Chancen und vor allem mit der Komplexität seines tatsächlichen Mehrwerts auseinanderzusetzen, um zu klären, ob dieser Token fair bewertet war oder nicht. Es war also Zeit, in eines der komplexesten — und vielversprechendsten — Protokolle der DeFi einzutauchen. Bevor wir fortfahren: Wenn ihr in der Welt der dezentralen Finanzen noch am Anfang steht, empfehlen wir euch zunächst, eine MetaMask-Wallet zu erstellen, und danach unseren kostenlosen DeFi-Guide zu lesen, um die Grundlagen zu verstehen.
Yearn Finance (YFI): Entstehung eines Projekts und rasanter Höhepunkt
Bis zum 16. Juli 2020 war Yearn nur ein einfacher Aggregator im DeFi-Bereich, der die Erträge seiner Nutzer optimieren sollte. Das Protokoll verwaltete damals ein Vermögensportfolio von rund 8 Millionen US-Dollar… So beobachtete man innerhalb weniger Wochen einen Anstieg von rund +1.250 % — eine der spektakulärsten Wachstumsraten in der damaligen Geschichte der DeFi.
Seit seinem Start im Januar 2020 lagen die kumulierten Renditen für Liquiditätsanbieter bei 10,58 % pro Jahr. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Governance-Token für das Projekt…
Der „Fair Launch" von YFI durch Andre Cronje
Alles änderte sich an dem Tag, als der Gründer von Yearn Finance, Andre Cronje, einen berühmten Beitrag mit dem Titel „YFI" veröffentlichte. Mit der Absicht, die Kontrolle über das Protokoll an seine Nutzer zu übertragen, entwarf Cronje ein Investitionsmodell, mit dem man die Kontrolle über YFI erlangen konnte, indem man Liquidität in die Pools von Curve und Balancer einbrachte. Es war wahrscheinlich der erste wirklich ehrliche und transparente Launch seit Jahren. Cronje sicherte sich nämlich vor dem Listing keinen einzigen Token und verzichtete damit auf alle Privilegien, die traditionell den Gründern vorbehalten sind. Sämtliche Token wurden an die Nutzer des Protokolls verteilt!
Wenige Monate später erreichte dieser angeblich „nutzlose" Token einen Market Cap von 1,25 Milliarden US-Dollar und erwirtschaftete für seine Halter rund 20 Millionen US-Dollar Gewinn pro Jahr. Es war schwer, das Ausmaß der Spekulationsblase genau zu beziffern, aber offensichtlich blieb sie beträchtlich. (Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2020: siehe den Kasten „Update 2026" am Artikelanfang für die aktuellen Werte.)
Yearn und die Industrialisierung des Yield Farming in der DeFi
Einige Monate zuvor (im Frühjahr 2020) hatte Compound sein Liquidity-Mining-Protokoll gestartet und damit die starke Spekulation in diesem Sektor ausgelöst. Einfach ausgedrückt bezeichnet Liquidity Mining den Prozess, bei dem die Kontrolle über ein Protokoll dezentralisiert wird, um Traktion und Entwicklung anzukurbeln. Die Community gab dem Ganzen den Spitznamen Yield Farming, in Anlehnung an die Idee der Ernte auf den Feldern (fields im Englischen).
Das Prinzip ist einfach: Ihr investiert Kapital in eines der zahlreichen Protokolle, die Erträge in Form von Token und weiteren Anreizen wie Governance bieten. Mit der wachsenden Zahl neuer Protokolle wurde der Zeitaufwand, um fundiert zu investieren, jedoch immer größer. Hinzu kam, dass der Gas-Preis auf Ethereum durch die explodierende Zahl an Transaktionen deutlich gestiegen war (lange vor The Merge im Jahr 2022 und dem Aufstieg der Layer-2-Lösungen). Viele kleine Marktteilnehmer zogen sich deswegen zurück, bis zur Ankunft der zweiten Version des yearn.finance-Protokolls.
Wie die yVaults funktionieren
Am einfachsten versteht man die yVaults, wenn man sich einen klassischen, von Angebot und Nachfrage geprägten Markt vorstellt, in dem Liquiditätsanbieter sich mit Strategie-Entwicklern zusammentun, um das Angebot zu bilden. Die Strategie verteilt das Kapital der Nutzer, während die Liquiditätsanbieter entscheiden, auf welche Strategie sie ihre Mittel setzen. So automatisieren die Strategien das Yield Farming. Mit dem Start der yVaults können Anleger ihre Mittel einzahlen, die automatisch den besten verfügbaren Strategien zugewiesen werden. Dieser Prozess senkt das Risiko und reduziert die Gas-Gebühren, indem sie unter allen Liquiditätsanbietern gebündelt werden. (Anmerkung 2026: Die hier beschriebenen yVaults sind die v1; sie wurden inzwischen durch die v2 und später die v3 ersetzt, die sich am ERC-4626-Standard orientiert.)
Das Ergebnis: eine unangefochtene Nummer 1 der Yield-Farming-Branche im Jahr 2020, die den Zugang zu Strategien vereinfachte, die zuvor fortgeschrittenen Nutzern vorbehalten waren.
YFI: ein echter dezentraler Cashflow-Lieferant
YFI war kein einfaches Projekt. Es bot zwei Hauptdienste an: die yVaults (Optimierung des Yield Farming) und Earn (Kreditoptimierung, heute veraltet). Zahlreiche weitere Produkte waren auf der Roadmap von Yearn.finance vorgesehen, rund um Versicherungen, Aktienhandel, Hebel, Venture Capital und Liquidationen. Diese Tokenisierung der Wirtschaft wurde außerdem von Delphi Digital und Gauntlet unterstützt, zwei Beratungsfirmen, die mit Yearn.finance zusammenarbeiteten. Wie dem auch sei, es ist wichtig zu verstehen, wie YFI damals über Earn und yVaults seine Gewinne erzielte.
Das Modell war einfach: YFI erhob eine Performance-Gebühr von 5 % des Kapitals sowie eine Abhebungsgebühr von 0,5 %, wenn Nutzer ihr Kapital abzogen. Die Abhebungsgebühr galt für beide Dienste (Earn und yVault), während die Performance-Gebühr nur bei den yVaults anfiel. Einfach gesagt: Die Performance-Gebühr wurde bei jeder „Ernte" einbehalten. (Diese Gebühren- und Governance-Parameter entsprechen dem Stand von 2020 und haben sich seitdem weiterentwickelt.)
Nach der Annahme des Optimierungsvorschlags YIP-36 wurde beschlossen, dass Yearn einen Teil der eingenommenen Gebühren nutzen würde, um das operative Kapital aufzustocken, statt es vollständig der Treasury zuzuführen.
Innerhalb einer Woche nach der Umsetzung hatten sich bereits 463.000 US-Dollar an Erträgen angesammelt. Das entsprach rund 21 Millionen US-Dollar pro Jahr bei einer damaligen Marktkapitalisierung von 390 Millionen. Man hatte also ein P.E.R.* von X20 (*Price Earning Ratio, vergleichbar dem KGV), da das Protokoll so gut wie keine Ausgaben hatte.

Hier muss man allerdings relativieren, denn in Wirklichkeit staketen nur sehr wenige Nutzer ihre YFI im Governance-Pool, was ihnen eine Rendite von rund 40 % einbrachte, da tatsächlich nur 10 bis 20 % der YFI dort gestaked waren. Wären alle YFI-Token dort platziert worden, hätte die Kapitalrendite nur 5 % betragen… Man konnte diese 5 % also als Renditeuntergrenze betrachten.

Yearn (YFI): Analyse des Marktverhaltens
Die von Yearn angebotenen Strategien waren so effizient, dass sie schnell zu einem Katalysator für das Marktwachstum wurden und das gesamte Ökosystem nach oben zogen. Es ist entscheidend zu verstehen, dass die yVaults nicht nur die Strategie der Nutzer automatisieren: Sie sorgen dort auch für eine echte Harmonie, damit sich alle Strategien gegenseitig ergänzen.
Statt dass manche Nutzer ihre Token nach der „Ernte" verkaufen und andere sie aus dem einen oder anderen Grund hodln, handeln dadurch alle Nutzer eines yVault wie aus einem Guss! Wird dieses gebündelte Verhalten systematisch, kann sich das erheblich auf den Preis der betroffenen Assets auswirken. Für Trader, die von diesen Bewegungen profitieren möchten, bleibt ein gutes Risikomanagement unverzichtbar.

Je mehr sich die yVaults verbreiteten, desto größer wurde der Anteil, den das Yearn-System vom Gesamtgewinn der profitabelsten Yield-Gelegenheiten einbehielt — solange der Trend anhielt. Man konnte sich also durchaus fragen: Handelte es sich um nachhaltiges Wachstum oder um eine Spekulationsblase?
Ist Yearn (YFI) eine gute langfristige Investition?
Der Hauptgrund für diese damalige Cashflow-Generierung war der extrem hohe Yield. Möglich war das, weil die Protokolle von einer besonders enthusiastischen Spekulation rund um die Liquidity-Mining-Programme getragen wurden. Warum die Farmer einen Yield von über +1000 % erzielen konnten, lässt sich einfach erklären: Die Spekulanten strömten in Scharen herbei und erzeugten dadurch immer mehr Token. Kurz gesagt: In diesem Fall waren es die Spekulanten, die den Yield der Farmer bezahlten.
Damals konnte niemand vorhersagen, wie lange der Yield-Farming-Wahnsinn anhalten würde. Die Antwort kennen wir heute: Die Blase ist am Ende geplatzt. Die Grundbotschaft bleibt aber gültig: Wer sich in die DeFi und das Yield Farming wagt, dem empfehlen wir größte Disziplin — sowohl bei der Wahl der Investments als auch bei Orders und Operationen. Für alle, die DeFi-Token sicher kaufen oder verkaufen möchten, bleiben regulierte Plattformen wie OKX eine empfohlene Referenz für deutschsprachige Trader. Zumal wenn das Fieber sinkt, suchen Token-Halter nach neuen Cash-Quellen.
Das konnte aus einem Anstieg der verwalteten Vermögenswerte (AUM) bei gleichzeitig sinkendem Yield resultieren. Auch die Einführung neuer Produkte war eine Möglichkeit, dem Protokoll neue Einnahmen zu verschaffen. Doch selbst Cronje, der Gründer, betonte, dass es nicht einfach sein würde, von potenziellen neuen Teilnehmern einfach eine Rente zu kassieren.

Außerdem vergütete Yearn im damaligen System die zuvor erwähnten Strategie-Entwickler nicht. Das war vergleichbar mit einem klassischen Vermögensverwalter, der ehrenamtlich arbeitet. Langfristig war das natürlich nicht tragfähig.
Da Yearn als dezentrale Vermögensverwaltungsplattform agiert, musste sie ihre „Manager" früher oder später vergüten. Das würde zwangsläufig die Kosten erhöhen und den Netto-Yield für die Endnutzer senken.
Yearn (YFI): Perspektiven und Wettbewerb am Markt
Es bestand kein Zweifel daran, dass Yearn die Explosion des Liquidity Mining und der DeFi im Jahr 2020 perfekt widerspiegelte.
Auch wenn YFI zu den führenden Yield-Farming-Projekten zählte, war es natürlich nicht das einzige Projekt, das sich ein Stück vom Kuchen dieses boomenden Marktes sichern wollte.
Neben den Forks rund um YFII, deren Legitimität man durchaus hinterfragen konnte, gab es zahlreiche Projekte, die YFI hätten Konkurrenz machen können. Set V2 etwa positionierte sich ebenfalls als dezentraler Vermögensverwalter. (Update 2026: Set Protocol V2 und TokenSets wurden inzwischen eingestellt — 2023 — und sind keine aktiven Konkurrenten mehr.) Der Wettbewerb nahm also Monat für Monat weiter zu.
Zudem konnte das damalige Yield-Niveau, wie bereits erwähnt, nicht ewig anhalten. Man rechnete deshalb bereits mittelfristig mit einem ordentlichen Platzen der Blase — was auch tatsächlich eintrat.
Um das aber wieder einzuordnen: Man konnte auch einen vergleichbaren Erfolg für die neuen, auf der Roadmap von Yearn geplanten Dienste erwarten, von denen wir zu Beginn dieses Artikels gesprochen haben.
Zu diesem Zeitpunkt blieb YFI eines der spannendsten Projekte im Bereich der dezentralen Vermögensverwaltung. Der vollkommen transparente und faire Launch von YFI trug maßgeblich zu der Begeisterung bei, die 2020 in der Krypto-Welt zu beobachten war. Cronje war offensichtlich ein großer Profi und ein umsichtiger Anführer — sein bewegter Werdegang seither (Rückzug aus der DeFi 2022, Rückkehr über Sonic Labs 2024) hat seinen Einfluss auf die Branche nur bestätigt. Nur sehr wenige Protokolle hielten ein solches Tempo an Neuerungen oder gar echten Innovationen durch. Bei Captain Trading hatten wir schon das Popcorn bereitgestellt — aber nicht nur das: Schon in diesem Artikel betonten wir, wie wichtig es ist, sich auf ein mögliches Platzen der Blase vorzubereiten.
FAQ: Yearn Finance (YFI) im Überblick
Was ist Yearn Finance (YFI)?
Yearn Finance ist ein 2020 gestartetes DeFi-Protokoll, das über seine yVaults das Yield Farming automatisiert: Der Nutzer zahlt seine Mittel ein, die automatisch den leistungsstärksten Renditestrategien zugewiesen werden. YFI ist der Governance-Token des Protokolls, bekannt dafür, ohne Pre-Mine oder Gründerzuteilung verteilt worden zu sein (ein „Fair Launch").
Wie viel ist der Token YFI heute wert?
Nach einem Höchststand von rund 40.000 $ im Jahr 2020 ist der Token YFI wieder gefallen und wird 2026 bei etwa 2.000 bis 2.400 $ gehandelt. Wie jedes Krypto-Asset ist sein Preis sehr volatil: Prüft vor jeder Entscheidung stets den aktuellen Kurs.
Wo ist Andre Cronje, der Gründer, geblieben?
Andre Cronje verließ die DeFi-Szene im März 2022 (Rückzug von Yearn, Fantom und weiteren Projekten, vor dem Hintergrund von SEC-Ermittlungen), bevor er 2024 mit Sonic Labs, dem Rebranding von Fantom, zurückkehrte.
Ist Yield Farming riskant?
Ja. Hohe Renditen gehen mit hohen Risiken einher (Smart Contract, Impermanent Loss, Entwertung der Reward-Token, Gas-Gebühren). Bevor ihr Liquidität bereitstellt, macht euch mit den Grundlagen vertraut und wendet ein striktes Risikomanagement an.
Wir wünschen euch Disziplin und Objektivität, liebe Leser!
