In diesem kurzen Tutorial erkläre ich dir den Begriff Funding Rate. Er gehört zu meinem Repertoire an technischen Indikatoren mit echtem Mehrwert, genau wie der Open Interest oder der Chop Index. Deshalb musste ich dir unbedingt ein paar Infos zu diesem Thema mitgeben!
Hier ist also eine neue Trading- & Krypto-Schulung, die dir kostenlos zur Verfügung steht!
Perpetual Contracts: Definition
Definieren wir zunächst, was ein „Perpetual Swap" ist. Dabei handelt es sich schlicht um Futures-Kontrakte ohne Verfallsdatum. Man sagt auch, es seien Kontrakte mit unbestimmter Laufzeit: Du musst keine Frist einhalten, um am Ende recht zu behalten!
„Perps" bilden das Spot-Trading so gut wie möglich nach – mit dem Vorteil, dass du Hebel ohne Sicherheiten-Zwang nutzen kannst.
Funding Rate: Definition
Der „Funding Rate" ist der Satz, zu dem die Longs die Shorts bezahlen, wenn das Funding positiv ist.
Umgekehrt ist es der Satz, zu dem die Shorts die Longs bezahlen, wenn das Funding negativ ist. Ist das Funding negativ – bei Bitcoin eher selten – wirst du also dafür bezahlt, Käufer zu sein.
Dieser Mechanismus wurde entwickelt, um den Gleichlauf zwischen dem Perp und dem (oder den) Basiswert(en), den er „nachbildet", zu wahren.
Funding Rate: Übersetzung
Im Deutschen wird „Funding" wörtlich mit „Finanzierung" übersetzt, im Trading-Kontext spricht man jedoch von einem Finanzierungssatz.
Funding Rate: Interpretation
Ist das Funding bei Terminkontrakten positiv, bedeutet das, dass ein „Premium" bzw. Aufschlag zusätzlich zum Spot-Indexpreis zu zahlen ist. Die Longs bezahlen also die Shorts. Das ist der Normalfall.
Sind die Futures-Trader besonders bullish und kaufen massiv, steigt das „Premium".
Premium = tatsächlicher Futures-Preis minus Indexpreis zum gleichen Zeitpunkt.
Auch das Funding steigt dabei. Das deutet darauf hin, dass das Halten von Longs teurer wird!
Deshalb wird es interessanter, auf Basis des Premiums zu traden.
Je höher das Premium, desto höher das Funding, was zeigt, wie aggressiv die Marktteilnehmer sich mit Hebel long positionieren.
Ist das Funding negativ, bedeutet das, dass der Futures-Handel günstiger ist als der Spot-Handel! Die Shorts bezahlen dann die Longs.
Praxisbeispiel
Wenn zum Beispiel Long-Halter in einer Kaskade liquidiert werden, können die massiven Verkäufe den Futures-Preis unter den Spot-Indexpreis drücken – das Premium wird dann negativ.
Das Gleiche kann umgekehrt passieren, wenn Futures-Trader bearish sind und massiv ihre Perps verkaufen. Bearish gestimmte Trader sind jedoch nicht immer der Auslöser für ein negatives Funding.
Sind zum Beispiel die Spot-Käufer bullish, kann sich ein mehr oder weniger großes Premium auf dem Futures bilden. Auch das würde zu einem negativen Funding führen.
Beim Short gesagt: Das Funding ist ein Mechanismus, der dafür sorgt, dass ein Perp-Index möglichst nah an seinem eigentlichen Referenzindex bleibt, also am Spot-Preis.
Ist das Funding positiv, was meistens der Fall ist, wird der Future „at a premium" gegenüber dem Index gehandelt. Das bedeutet, es gibt eine positive Differenz zwischen dem echten Index und den Kosten des Futures. Diese Differenz nennt man Premium!
Ist das Funding negativ, wird der Future „at a discount" gehandelt, das bedeutet, es gibt eine negative Differenz zwischen dem Future und dem echten Index. Diese Differenz nennt man Discount.
Wird das Funding zu stark positiv oder negativ, spiegelt das den Trend wider, auf den die Trader setzen. In manchen Fällen zeigt es auch, wie bullish die Spot-Käufer gestimmt sind.
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Praxisbeispiel und Interpretationen

Perpetual Contracts unterscheiden sich von klassischen Terminkontrakten, da es keinen Verfalls- oder Rollover-Mechanismus gibt.
Daraus ergibt sich folgende Frage: Wie und warum handeln Perp-Kontrakte in der Regel im Einklang mit den Spot-Märkten?
Antwort: das Funding.
Es handelt sich um einen eingebauten Arbitrage-Mechanismus, der Marktteilnehmer dazu anregen soll, diese Instrumente (genauer gesagt ihre Preise) im Gleichlauf zu halten.
Nehmen wir für dieses Beispiel an, dass der Perp deutlich über dem Spot-Indexpreis gehandelt wird und der Funding Rate steigt.
Zwei Dinge passieren:
1. Für Halter von Long-Positionen wird es teurer, diese offen zu halten (negativer Anreiz).
2. Trader können am Spot kaufen, den Perp verkaufen und dabei mit minimalem Richtungs-Exposure das Funding kassieren (positiver Anreiz).
Je größer die Differenz zwischen Perp-Preis und Spot-Preis, desto höher der Funding Rate.
Je stärker sich diese Instrumente voneinander entfernen, desto größer ist der Anreiz, die Differenz zu arbitrieren.
Um es ganz klar zu sagen: Das Funding ist im Wesentlichen ein Produkt der Differenz zwischen [dem Perp-Preis] und [dem Spot-Indexpreis].
Ich möchte außerdem einen wichtigen Punkt wiederholen: Liegt das Funding auf dem Basisniveau und/oder gibt es keine interessante Divergenz zwischen Preis, Funding und Zeit, ist es unwahrscheinlich, dass du ein attraktives Setup findest.
Das Funding gehört zu einer Reihe ergänzender technischer Indikatoren, die kontextuell interessant werden, wenn „etwas nicht stimmt".
Weitere Szenarien
Szenario 1: Das Funding rutscht immer weiter ins Negative, während der Preis steigt.
Interpretation: Die Perp-Verkäufer sind „ungläubig" und folgen der Bewegung nicht UND/ODER die Spot-Trader sind aggressive Käufer (vor allem, wenn weitere Kontext-Indizien vorliegen, z. B. steigender OI bei Perp-Kontrakten, Spot-Volumen und CVD führend usw.)
Szenario 2: Das Funding steigt unaufhörlich, während der Preis fällt.
Interpretation: Die Perp-Dip-Käufer sind „ungläubig" und folgen der Bewegung nicht UND/ODER die Spot-Trader sind im aggressiven Verkaufsmodus. Das ist potenziell bearish (besonders wenn weitere Kontext-Indizien vorliegen, z. B. steigendes Open Interest bei Perps, steigende Spot-Volumen und CVD usw.)
Szenario 3: Stark negatives Funding, aber der Preis steigt oder stagniert/fällt nicht.
Interpretation : Die Perp-Shorts sind aggressiv, werden dafür aber nicht belohnt. Das ist potenziell bullish (vor allem, wenn weitere Kontext-Indizien vorliegen, z. B. wenn der Preis eine wichtige Unterstützung erreicht).
Szenario 4: Stark positives Funding, aber der Preis fällt oder stagniert/steigt nicht.
Interpretation : Die Long-Positionen im Perp sind aggressiv, werden aber nicht belohnt. Das ist potenziell bearish (besonders wenn weitere Kontext-Indizien vorliegen, z. B. wenn der Preis einen wichtigen Widerstand erreicht).

Häufige Fehlinterpretationen des Funding
Hier kommen wir eigentlich zu sehr wichtigen Grundprinzipien zurück:
1. Wer (falls überhaupt jemand) ist aggressiv?
2. Wird diese Aggressivität belohnt?
Zudem ist es wichtig, nicht nur zu verstehen, was Funding Rates sind und welche Auswirkungen sie haben, sondern auch, wie sie entstanden sind.
Mir fallen drei konkrete Beispiele ein, bei denen Funding Rates am häufigsten falsch interpretiert werden.
1. Ein negativer Funding Rate nach einer massiven Liquidationswelle.
Wie wir gesehen haben, spiegelt das Funding die Differenz zwischen dem Perp-Preis und dem Indexpreis wider.
Perps weisen einen höheren Hebel auf als die Spot-Assets, aus denen der Index in der Regel besteht. Kommt es daher zu einer großen Zahl an Liquidationen im Perp, verschärfen diese Liquidationen und die chaotische Auflösung von Positionen das Ausmaß der Bewegung.
Perps sind in Extremsituationen in der Regel stärker verzerrt als der Spot-Markt und enden daher naturgemäß mit einem Abschlag gegenüber dem Index.
Ein negatives Funding nach einem starken Rücksetzer bedeutet also nicht zwangsläufig, dass der Markt vom Tief aus geshortet wird. Es zeigt lediglich, dass die Perps aufgrund des angebotenen Hebels stärker getroffen wurden als der Spot-Markt.
2. „Spot-Premium" und negatives Funding
Das Spot-Premium – wenn der Spot-Preis eines Assets dauerhaft über dem Perp- oder Futures-Preis desselben Assets liegt – kann nützliche Signale liefern.
Während der Bullenphase 2021 etwa war es üblich, dass Spot-Börsen wie Coinbase während der US-Session systematisch über dem Preis der Terminkontrakte handelten, während diese mit Abschlag gehandelt wurden.
Man könnte das durchaus als Ausdruck von Risikofreude und aggressiveren Käufern am Spot-Markt deuten, was in der Regel ein gutes Zeichen ist.
Dasselbe Argument wurde jedoch auch mehrfach beim Rückgang des BTC unter die 50.000-$-Marke angeführt, und es hat nicht wirklich funktioniert.
Mechanisch gesehen führte der Spot-Markt den Verkauf an. Die Perps folgten daraufhin, wurden liquidiert und bewegten sich aggressiver als der Spot.
Am Ende lagen die Perps unter dem Spot, was uns das „Spot-Premium" liefert.
Der Form nach handelt es sich um dasselbe Spot-Premium, inhaltlich und im Kontext ist es jedoch völlig anders.
Wenn du das Spot-Premium als Argument für eine Spot-Nachfrage heranziehen willst, stelle sicher, dass du weitere Argumente für eine tatsächliche Marktnachfrage hast. Suche nach Konfluenzpunkten – ein einzelner Indikator ist wertlos.
3. Maximales Funding bei Altcoins an aberranten Extremen = bevorstehende Kompression.
Dieses Muster war besonders in der zweiten Hälfte von 2023 relevant.
Es läuft folgendermaßen ab:
Zunächst beobachtet man einen schönen Preisanstieg. Das Funding ist extrem negativ, und die Longs häufen sich aufgrund des negativen Funding Rate für die Fortsetzung/den Short Squeeze an.
Am Ende wird der Spot-Markt regelrecht abgestraft, und das Funding normalisiert sich.
Gerade bei Ausreißern mit niedriger Marktkapitalisierung wäre ich vorsichtig, die Funding-Daten zu genau zu betrachten, da sie öfter als gedacht manipuliert werden. Bei liquideren Assets mit höherer Marktkapitalisierung sind die Signale in der Regel klarer.
Generell ist das Funding allein nicht immer ein überzeugendes Argument für einen erzwungenen Verkauf.
Schließlich kann sich selbst in diesem Fall ein positives Funding durch das gelegentliche Schließen/Kaufen von Perps normalisieren und ein negatives Funding durch das gelegentliche Kaufen/Verkaufen von Perps – ganz ohne einen spektakulären Squeeze.
Die Sicht des Captains auf das Funding
Wie jeder Indikator hat auch dieser für sich allein genommen keine echte Aussagekraft. Er bleibt aber ein interessanter Indikator, wenn du ihn mit anderen kombinierst.
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Schulung: Funding und Open Interest
Wenn du mehr über das Funding erfahren oder wissen möchtest, wo du diesen essenziellen Indikator findest, empfehle ich dir mein Tutorial auf YouTube. Es ist schon über 2 Jahre alt, aber eines meiner meistgesehenen Tutorials!
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